Die Region hautnah erleben, mit vielen Menschen ins Gespräch kommen und Zeit dafür mitbringen – dafür habe ich diese Woche wieder eine Wahlkreiswanderung, ähnlich wie im Mai 2023 (damals rund um den Ochsenkopf herum), unternommen!
Gut 20 Kilometer bin ich gewandert, 20 Kilometer Rad gefahren und über 100 Kilometer habe ich mit Bus und Bahn zurückgelegt. Eine kleine Zusammenfassung der Geschehnisse findet ihr untenstehend:
MONTAG
Los ging es in Limmersdorf, an den beiden (!) Tanzlinden im historischen Ortszentrum. Veit Pöhlmann vom Tanzlindenmuseum gab mir und meinen Begleiter*innen, Christian Ohnemüller und Veronika Reis, die beiden Kreisvorsitzenden der Kulmbacher Grünen, eine spannende Führung über das Gelände. Die ältere der beiden Linden steht bereits seit 1686! Es ist also mehr als verständlich, dass die Lindenkirchweih Limmersdorf seit 2014 immaterielles deutsches Kulturerbe ist!
Weiter ging’s zu einem Besuch der Firma PDR, Produkte durch Recycling, in Thurnau. Geschäftsführer Thomas Hillebrand zeigte uns, wie viel aus einer alten Bauschaumdose recycelt werden kann – und erklärte auch, warum dies leider, z.B. durch fehlende Mülltrennung auf dem Bau, nicht immer passiert. Dennoch landen Jahr für Jahr 7 bis 8 Millionen Bauschaumdosen in Thurnau und ihre Bestandteile können anschließend neuen Zwecken zugeführt werden. Zudem ist PDR der Europapartner von Hewlett Packard zum Recycling ihrer Tintenkartuschen. Auch hier können 70% der Reste stofflich verwertet werden!
Gemeinsam mit einigen Grünen Mitgliedern bin ich dann etwa eine Stunde nach Langenstadt gewandert, wo uns Günther Bergmann, Klaus und Franziska Bartels erwarteten. Wieder saßen wir unter einer wunderschönen Tanzlinde und diesmal ging es um den Erhalt eines Dorfwirtshauses! Denn ohne das beherzte Engagement des Ehepaars Bartels sowie eines Fördervereins dahinter vor ein paar Jahren würde es das Wirthaus „Zur Linde“ und damit den zentralen Treffpunkt im Dorf heute nicht mehr geben! Auch das Amt für ländliche Entwicklung trug zur Anschubfinanzierung bei. So ließ sich der Tag gut ausklingen…
DIENSTAG
Nach einer Busfahrt in den Kulmbacher Ortsteil Mangersreuth bin ich über Felder und Hügel zum Schloss Steinenhausen gewandert – und unterwegs auch so einigen Störchen begegnet! Im Schloss Steinenhausen sitzt seit 1988 ein Teil des Landesamts für Umwelt (LfU) und führt so dem in den 1720er Jahren gebauten Haus eine neue Nutzung zu. Zehn Abteilungen des LfU sind hier tätig, am spannendsten ist vielleicht die Strahlenschutzaufsicht. Bernd Steininger führte mich ins Amt ein und sein Kollege Ulrich Kratzel zeigte mir die Strahlenschutzlabore. Hier wurde deutlich, warum das LfU einen Neu- bzw. Anbau braucht: Die Labore sind alle 30 Jahre alt und würden im Katastrophenfall über die Belastungsgrenzen kommen. Schön, hier Einblick zu erhalten!
Am Zusammenfluss von Rotem und Weißem Main vorbei sind wir dann nach Mainleus gewandert, um hier einen Blick in die „Spinnstube“ zu werfen. Mehrere Gebäude wurden hier in den letzten Jahren kernsaniert, darunter die Spinnstube selbst, die heute als Inklusionsgastronomie in Betrieb ist. Auch ein schöner Trausaal kann hier angemietet werden! Im Keller durften wir auch noch die alten Baderäume betrachten, die früher von den Bürger*innen im Quartier genutzt wurden. Ein Glück, dass heute jede*r zuhause eine Dusche hat 😉
Abends kamen dann noch fast 20 Menschen zu „Setz ma uns zamm“, meinem offenen Stammtisch im Biergarten! Das war eine schöne Runde mit tollen Gesprächen. Danke fürs Vorbeikommen!
MITTWOCH
Der Mittwochmorgen startete mit einem Besuch der Firma Münch Energie in Rugendorf. Die Firma ist in den vergangenen 20 Jahren quasi „senkrecht“ durchgestartet, von einem früheren Agrarbetrieb in eine der größten Firmen in der Region im Bereich der Energiewendelösungen. Mit etwa 150 Beschäftigten ist der Betrieb spezialisiert auf dezentrale Photovoltaikanlagen und inkludiert dabei seit neuestem auch Viehhaltung unter dem Label „Tierwohl-PV“. Die Herren Polat und Engelhardt führten mich durch den Betrieb und übers Gelände – ganz nebenbei erwähnt tritt die Firma auch sehr modern mit großzügigen Büro- und grünen Außenflächen auf.
Dazu kooperiert Münch seit ein paar Jahren auch mit den Kulmbacher Stadtwerken beim Ausbau von PV-Freiflächenanlagen. Dort gab es 2012 einen Grundsatzbeschluss zur Steuerung von Freiflächen-PV, der durch diese Kooperation sehr gut umgesetzt werden kann. Dank der Zusammenarbeit konnte bereits in Grafendobrach eine 23-MW-starke Anlage in Betrieb genommen werden – und darunter bedienen sich glückliche Schafe am frischen Gras, wie ich mich selbst überzeugen durfte.
Anschließend stand ein Ausflug nach Kulmbach auf dem Programm. Nach einem Eis (bei den hohen Temperaturen dringend notwendig! ;)) traf ich mich mit dem Kulmbacher Oberbürgermeister Ingo Lehmann, dem vor allem ein Thema am Herzen lag: Der barrierefreie Ausbau des Bahnhofs! Denn hier müssen Kinderwägen, Räder und Rollstühle die Treppen hinaus- und hinunterbugsiert werden. Von einem Aufzug keine Spur… Die Stadt wird daher für Teile der Investitionskosten aufkommen und hofft verständlicherweise auf Unterstützung durch den Bund. Da hake ich gerne nochmal nach!
Zum Abschluss des Tages dann die Hausbrauerei „Zum Gründla“ im Kulmbacher Stadtteil Metzdorf. Denn was wäre eine Wahlkreistour ohne Brauerei? Brauer Florian Pittroff führte uns durchs Sudhaus und stellte uns das eigentlich recht junge Bier vor: zwar sind die Braurezepte viel älter, doch das Wirtshaus ist erst vor 20 Jahren ins Braugeschäft eingetreten. Dafür sind die über 5.000 Liter Bier, die hier monatlich entstehen, aber immer schnell verkauft. Warum, davon durfte ich mich natürlich auch selbst überzeugen. Prost!
DONNERSTAG
Am letzten Tag meiner Tour habe ich die Wanderschuhe gegen das Rad eingetauscht und vom Bahnhof Trebgast nach Schlömen geradelt. Hier hat die Kulmbacher Ortsgruppe des Bund Naturschutz 2010 ein wunderschönes, idyllisches Gelände hergerichtet, um Naturpädagogik anzubieten. Dank Unterstützung des Landkreises können hier – vor allem im Sommer – Schulklassen aus der 1. bis 6. Jahrgangsstufe Natur hautnah erleben. Zwei Wildnispädagoginnen zeigen den Kindern auf Wiese, im Wald und im Fluss, wie vielfältig und artenreich unsere Heimat ist.
Einer der Vorsitzenden, Roland Ramming, hat mich dann netterweise noch mit dem Rad bis Kulmbach begleitet. Einen richtigen Radweg entlang des Weißen Mains gibt es leider nicht, doch er kennt hier natürlich jeden Pfad! Warum das mit den Radwegen nicht so einfach ist, erfuhr ich beim Anschlusstermin im Landratsamt. Andreas Schülein und Christian Fießmann stellten mir das 2022 beschlossene Radverkehrswegekonzept vor. Auch der Weiße Main mit dem Teilstück Trebgast bis Kauerndorf kam hier vor! Das Konzept sieht vor allem für Alltagsradler*innen erhebliche Verbesserungen vor – und der Landkreis will auch dessen Umsetzung vorantreiben, doch die vielen Planungsverfahren und verschiedenen Hoheiten (Kommune, Landkreis, Freistaat, Bund) haben so ihre Tücken. Aber es freut mich, dass es hier vorangeht!
MEIN RESÜMEE
Ich kenne das Kulmbacher Land schon seit meiner Kindheit, aber doch durfte ich die vergangenen Tage die Region nochmal neu kennenlernen. Besonders begeistert haben mich die Menschen, die sich engagiert für ihre Heimat einsetzen. Egal ob beim Marktführer im Bauschaumdosenverwerten, PDR Recycling in Thurnau, oder in der Inklusionsgastronomie Spinnstube in Mainleus: Hier in der Region sind viele Menschen mit Herz dabei, ihr Zuhause lebenswert für alle zu machen. Und klar hakt es vielleicht hier und da bei zu wenig Bussen oder Radwegen, aber ich sehe auch, wie Bewegung in der Sache ist!
Gerne bin ich auch abseits von solchen Touren ansprechbar für die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis!