Meine Position zur Verlagerung der Finanzhochschule für den Öffentlichen Dienst

Nein zur Totalverlagerung – Ja zu einem zusätzlichen Standort in Kronach 

Im Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtags haben wir Grünen Ende Juli 2025 gegen den Beschluss gestimmt, die Hochschule für den Öffentlichen Dienst – Fachbereich Finanzwesen – vollständig von Herrsching nach Kronach zu verlagern. Das sind die Hintergründe:   

Unsere Haltung ist klar: Wir befürworten Investitionen in Kronach. Wir befürworten einen zusätzlichen Hochschulstandort – aber keine vollständige Verlagerung. 

Die ursprüngliche Idee, in Kronach mit 150 Studienplätzen einen weiteren Ausbildungsort zu schaffen, unterstützen wir ausdrücklich. Auch eine moderate Ausweitung auf 200 bis 300 Plätze hätte aus unserer Sicht Sinn ergeben, gerade um in Nordbayern einen Ausbildungsort für die 3. QE (gehobener Dienst) der Steuerverwaltung anzubieten. Nun aber sollen in Kronach 440 Studienplätze entstehen und der gut funktionierende Standort in Herrsching ohne Not komplett aufgegeben werden. Das lehnen wir in der jetzigen Konstellation und aufgrund verschiedener offener Fragen ab. 

Herrsching funktioniert – warum aufgeben? 

In Herrsching besteht eine etablierte Hochschule, für deren Gebäude in den letzten Jahren Investitionen geflossen sind. Dieses historisch hochsensible Gelände aus der NS-Zeit soll nun aufgegeben werden, ohne dass es irgendein Nachnutzungskonzept gibt. Das ist aus unserer Sicht weder haushaltspolitisch noch bildungspolitisch vertretbar. Eine funktionierende Infrastruktur aufzugeben, um sie an einem neuen Ort kostenintensiv wieder aufzubauen, ist eine klare Steuergeldverschwendung. Das gilt umso mehr, als für die ursprüngliche erste Planungsstufe in Kronach mit 150 Plätzen bereits 6 Millionen Euro Planungskosten ausgegeben wurden – nun wird komplett neu geplant. 

Offene Fragen zur Dozentenversorgung in Kronach 

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Dozentenversorgung. Der Großteil der Lehrkräfte an der Hochschule sind keine hauptberuflich Lehrenden, sondern Honorarkräfte, die in der 3. und 4. QE der Finanzverwaltung tätig sind. Für den Standort Herrsching lassen sich diese Personen bisher gut aus der umliegenden Region gewinnen, zum Beispiel im Finanzministerium, im Landesamt für Steuern oder in den großen Finanzämtern im Raum München. In Kronach wird das deutlich schwieriger. Auch die Bayerische Finanzgewerkschaft teilt diese Sorge und schätzt das Potential möglicher Dozenten auf ein Verhältnis von 1:10 zwischen den beiden Standorten. Ich befürchte hier ganz konkrete Probleme in der Ausbildungspraxis. Bisher konnte die Staatsregierung diesen Aspekt nicht entkräften oder gar ein tragfähiges Konzept vorlegen. 

Reduzierung der Ausbildungskapazität ist der falsche Weg 

Neben der Verlagerung kritisieren wir auch die geplante Absenkung der Gesamtkapazität: Statt bisher 600 Ausbildungsplätzen sind künftig nur noch 440 vorgesehen. In Zeiten des Fachkräftemangels im Öffentlichen Dienst und komplexen Steuerfällen ist das das absolut falsche Signal. 

Mein Fazit: Kronach sehr gerne – aber nicht auf Kosten von Herrsching. 
Wir wollen eine zukunftsfähige Ausbildung für die Finanzverwaltung. Dazu gehört ein sinnvoller Ausbau auch in Nordbayern – kein Rückbau bewährter Strukturen. 

Aktuelle Presseberichte dazu gibt es hier 

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