Das war der CSD in Bayreuth!

Auch wenn die Ergebnisse der Europawahl gerade vieles überschatten, möchte ich nicht den wunderbaren, sonnigen, friedlichen & gut gelaunten CSD am Samstag in Bayreuth vergessen. Es war mir eine große Ehre und Freude, Schirmherr im Namen von Queer Bayreuth zu sein! Danke an über 1.500 Menschen beim Demozug durch die Stadt. Wir haben deutlich gemacht: Bayreuth stellt sich hinter die queere Community, wir haben keinen Bock auf Ausgrenzung und Queerfeindlichkeit!
 
Es hat mich jedoch bestürzt, zu erfahren, dass in der Nacht vor dem CSD zwei Personen Opfer von queerfeindlicher Gewalt wurden. Ich wünsche beiden schnelle Genesung & hoffe, dass die Täter*innen gestellt werden.
 
Der Kampf für queere Rechte ist ein Kampf für Menschenrechte und damit für uns alle. Danke, Bayreuth!
Unten einige schöne Eindrücke, die Fotos sind von Lisa Bunzel, Susanne Bauer und Sebastian Lützow.
 
Und hier meine Rede, die ich als Schirmherr bei der Kundgebung halten durfte!
 

Hallo Bayreuth,

was ist das wieder für ein geiler CSD! Ich habe mich total gefreut, als mich die Orga gefragt hat, ob ich dieses Jahr die Schirmherrschaft zu übernehmen. Über das Wort Schirmherr müssen wir zwar sprachsensibel nochmal nachdenken, ich habe aber trotzdem gar nicht lange nachgedacht und sofort zugesagt. Denn es ist einfach klasse, dass sich die queere Community in der ganzen breite zeigt und heute Vielfalt und Diversität feiert. Das ist mein Bayreuth!

Ich bin der Meinung, am Umgang mit Minderheiten zeigt sich der wahre Wert einer Demokratie und es zeigt sich wie Artikel 1 unseres Grundgesetzes wirklich gelebt wird: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Und als Politiker ergänze ich gerne Satz 2: Sie zu achten und zu schützen ist Aufgabe aller staatlicher Gewalt.

Und so ist es mir Freude als so richtig langweiliger weißer hetero-verheirateter Cis-Mann meine Stimme für queere Anliegen zu erheben.

Aber was ich dann gar nicht leiden kann sind Politiker*innen, die meinen gegen queere Anliegen Stimmung zu machen, nur um ein paar Stimmen bei der Wahl zu sammeln. Am Ende bekommen sie aber den Applaus von ganz rechts außen und vergiften das gesellschaftliche Klima in unserem Land. Nichts Anderes war dieses irre Genderverbot in Bayern, das doch kein Mensch wirklich gebraucht hat.

Statt des irren Genderverbots könnte Markus Söder sich mal um die wirklich wichtigen Dinge kümmern:

  • Wie wäre es zum Beispiel mit einer queer-sensiblen Fortbildung unserer Lehrkräfte?
  • Oder wie wäre es mit Ansprechpersonen für LSBTIQ bei Polizei und Justiz?
  • Wie wäre es mit queeren Vertreter*innen im Rundfunk- und Medienrat?
  • Wann kümmert sich die Staatsregierung um queere Menschen im ländlichen Raum, mit guten Beratungsstellen oder ausreichender medizinischer Versorgung? Es kann doch nicht sein, dass Oberfranken der einzige Bezirk ohne eine HIV-Schwerpunkt-Praxis ist?
  • Oder wie wäre es mit einer finanziellen Förderung der Kinderwunschbehandlung queerer Paare? Queere Familien gehören längst zu Bayern.
  • Oder wie wäre es, wenn Bayern als letztes Bundesland in Deutschland endlich einen queeren Aktionsplan bekäme?

Aber ich kann euch sagen, es geht auch voran: Wir Grüne konnten in Bayern eine bessere Förderung für queere Beratungsstellen bewirken, sodass seit 2022 zumindest mal in jedem Regierungsbezirk eine Beratung stattfinden kann. Und auch auf Bundesebene geht’s vorwärts. Die Ampel hat endlich das diskriminierende Transsexuellengesetz gestrichen und ein modernes Selbstbestimmungsgesetz geschaffen. Wer sich mit dem Körper, in den er*sie geboren ist, nicht identifiziert, muss das Recht haben, das tatsächliche Geschlecht unkompliziert zu erhalten. Das ist nun endlich möglich. Das ist gut so. Und wer damit ein Problem hat, sollte lieber mal über sich selbst nachdenken.

Liebe Leute, solange noch so viel im Argen liegt, bleiben die CSDs politisch. Lasst uns die Energie von heute mitnehmen und an 365 Tagen im Jahr für queere Anliegen, für ein offenes Bayern und eine diverse Gesellschaft einstehen. Lasst uns genau das tun, was denen von ganz rechts gar nicht gefällt: Lasst uns bunt sein! Doch tut mir dafür noch weiteren einen Gefallen: Geht morgen wählen und wählt europäisch und bunt! Unsere EU braucht Vielfalt!

Vielen Dank CSD Bayreuth, vielen Dank an die Orga und vielen Dank Bayreuth!

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