Am 19.11.2021 befragte ich die Staatsregierung bezüglich der Quecksilberbelastung in den bayerischen Fließgewässern Kössein, Röslau und Eger. Meine Fragen wurden am 06.12.2021 von dem Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz beantwortet:
Ich frage die Staatsregierung:
1. a) Wie ist der Stand der Dinge beim deutsch-tschechischen Kooperationsprojekt „Maßnahmen an Kössein und Röslau zur Minderung des Quecksilbereintrages in den Stausee Skalka, CZ“, das durch das Wasserwirtschaftsamt Hof betreut wird?
Das gemeinsame INTERREG-Projekt hat eine Laufzeit von 2014 bis 2021. Der Projektteil des Freistaates Bayern, vertreten durch das Wasserwirtschaftsamt Hof, umfasst sowohl eine Machbarkeitsstudie, inwieweit durch geeignete Maßnahmen an den Gewässern Röslau und Kössein die Erosion von quecksilber-belasteten Sedimenten verhindert werden kann, als auch drei flussbauliche Pilotmaßnahmen zur Ufersicherung, die bereits umgesetzt wurden.
b) Inwieweit wurde im Rahmen der Voruntersuchungen für dieses Projekt oder sonstiger Untersuchungen das Sediment von Kössein und Röslau beprobt?
Grundlage für das Projekt ist eine Studie aus dem Jahr 2011. In deren Rahmen wurden umfangreiche Erhebungen im System Fluss – Aue der Kössein und Röslau auf einer Länge von 22 km durchgeführt. Unter anderem wurden Sedimentproben in Stauhaltungen, Altarmen und in Fließgewässern entnommen. Zusätzlich wurden Erosionsbereiche an den Ufern gesondert untersucht.
c) Ließen sich hieraus besonders kontaminierte Areale ermitteln?
Es ließen sich keine besonders kontaminierten Bereiche ermitteln. Entlang der Fließstrecke ist flussabwärts eine Abnahme der Belastungen zu erkennen.
2. a) Wie hoch ist die Quecksilberbelastung der Gewässer Kössein und Röslau über die Fließstrecke auf bayerischer Seite?
An der Kössein liegen regelmäßige Quecksilbermessungen bis einschließlich 2020 vor.
Die Quecksilbermenge in Gewässern wird im Wesentlichen über die mit dem Wasser transportierten mineralischen Schwebstoffe bilanziert, an die das Metall gebunden ist.
An der Messstelle Krippnermühle kurz vor der Mündung der Kössein in die Röslau werden halbjährlich spezielle Schwebstoffbeprobungen mittels eines Schwebstoffsammelkastens über einen Zeitraum von 14 Tagen vorgenommen. Im Mittel der Jahre 2017 – 2020 (acht Messungen) lag der Quecksilbergehalt bei 42,1 mg pro kg Schwebstoffe.
Weiter flussabwärts erfolgen Messungen in der Röslau bei Fischern (kurz vor Mündung in die Eger). Dort betrug der Quecksilbergehalt in den Schwebstoffen im Zeitraum 2017 bis 2020 im Mittel 15,1 mg pro kg Schwebstoffe. Zusätzlich wird an dieser Stelle die Quecksilberkonzentration im Wasser monatlich anhand einer unfiltrierten Probe
(die suspendierte Feinbestandteile enthält) ermittelt. Im Jahr 2020 lag hier der Mittelwert bei 0,00037 mg/l.
b) Liegen der Staatsregierung darüber hinaus Kenntnisse über die Quecksilberbelastung der Eger stromaufwärts und -abwärts der Röslaumündung vor?
Stromaufwärts der Röslaumündung gibt es in der Eger keine Auffälligkeiten in Bezug auf die Quecksilbermenge. Stromabwärts mündet die Eger in den tschechischen Stausee Skalka. Laut einer tschechischen Studie wurden Zitat: „im Falle der Röslau und des Abschnittes der Eger von der Einmündung der Röslau bis zur Einmündung in das Wasserwerk Skalka langfristig Überschreitungen der jeweiligen Oberflächenwasserkörper-Umweltqualitätsnorm gemäß Regierungsverordnung Nr. 401/2015 Slg. festgestellt.“
3. a) Wie hoch ist die Quecksilberbelastung bei den in Kössein, Röslau und Eger heimischen Fischarten?
Die mittleren Quecksilberwerte in Fischen der genannten Fließgewässer lag in den Jahren 2010 bis 2017 zwischen 0,63 und 0,93 mg/kg. Die maximale Konzentration betrug 1,47 bis 2,95 mg/kg.
b) Wurden diesbezüglich Maßnahmen wie etwa Angel-, Verzehr- oder Verkaufsverbote erwogen?
Ein Verkaufsverbot wurde seitens der zuständigen Behörde nicht ausgesprochen, da die beprobten Fische nicht in den Verkehr gelangten. Die jeweiligen Fischereiberechtigten wurden und werden durch das Landratsamt Wunsiedel über die Untersuchungsergebnisse laufend informiert. Ein gewerbliches Inverkehrbringen durch die Fischereiberechtigten ist nicht bekannt, auch werden gefangene Fische in keine Aquakultur verbracht.
4. a) Welche Maßnahmen zur Minderung des Quecksilbereintrags sind für die Zukunft geplant?
Die unter Frage 1 genannte Machbarkeitsstudie sieht verschiedene Maßnahmen zum Rückhalt und zur Erosionsvermeidung vor, um den Eintrag aus quecksilberhaltigen Arealen zu reduzieren. Auch künftig sollen im Rahmen der regelmäßigen Gewässerunterhaltung Maßnahmen getroffen werden, die den Eintrag von quecksilberhaltigem Material minimieren.
b) Welche Reduktion des Quecksilbereintrags soll hierdurch erreicht werden?
Insbesondere soll durch die Maßnahmen verhindert werden, dass quecksilberbelastetes Sediment mobilisiert und in den Stausee Skalka eingetragen wird. Die genauen Effekte dieser Maßnahmen sind nicht exakt quantifizierbar.
5. a) Besteht zwischen der Staatsregierung und den zuständigen tschechischen Behörden Einigkeit über Art und Umfang der notwendigen Maßnahmen?
b) Wenn nein, welche unterschiedlichen Auffassungen gibt es dazu auf tschechischer Seite?
c) Welche Maßnahmenvorschläge wurden von tschechischer Seite erhoben?
Nach mehreren gemeinsamen Untersuchungen werden als wirksame Maßnahmen vor allem Ufersicherungsmaßnahmen und Rückhaltemaßnahmen zur Vermeidung von Sedimenteinträgen in die Gewässer sowie die Entnahme von quecksilberbelastetem Material angesehen.
Die Umsetzung von Pilotmaßnahmen im Rahmen der unter Frage 1 genannten Studie wurde von den tschechischen Behörden begrüßt. Die nächsten Schritte werden in weiteren Gesprächen mit den tschechischen Partnern nach Abschluss der Studie gemeinsam festgelegt.